Claire Zachanassian
Sie ist zurück. Und sie hat ein Angebot.
Eine Entscheidung,
die alles verändert.
Das Musical nach Friedrich Dürrenmatt
Der Fahrplan nach Güllen
Zehn Vorstellungen an sieben Tagen – von der Preview bis zur letzten Vorstellung im Burghof Lörrach.
Spieldauer ca. 2 Std. 45 Min. inkl. Pause · Abendkasse jeweils vor Vorstellungsbeginn geöffnet · Tickets über Eventim.
Das Musical
Nach Jahrzehnten kehrt Claire Zachanassian in die Stadt zurück, die sie einst verstieß – reicher, kälter, entschlossener. Ihr Angebot klingt wie Erlösung. Sein Preis ist ein Menschenleben.
Güllen muss wählen: Gerechtigkeit oder Wohlstand, Gewissen oder Gier.
Wie stabil sind unsere Werte,
wenn der Preis hoch genug ist?
2 Milliarden
für eine Stadt, die alles verloren hat.
Ein Preis
für eine Entscheidung, die niemand treffen möchte.
Eine Frage
Wie würden Sie sich entscheiden?
Das Angebot
Franken für Güllen. Eine Bedingung.
Die Menschen. Ihre Motive.
Sie ist zurück. Und sie hat ein Angebot.
Zerrissen zwischen Moral und Überleben.
Loyalität bis an ihre Grenzen.
Verantwortung. Macht. Angst.
Wer predigt Nächstenliebe, wenn plötzlich jeder reich werden kann?
Früher glaubte er an Moral. Heute kostet sie zwei Milliarden.
Wann hört Recht auf und beginnt Anpassung?
Toby · Bodyguard 1
Roby · Bodyguard 2
Loby · Bodyguard 3
Julia Ill
Niklas Ill
Junge Claire
Junger Alfred
Ensemble
Ensemble
Ensemble
Ensemble
Ensemble
Ensemble
Ensemble
Produktion
| Regie, Choreographie, Producer | Kevin Somlo |
| Executive Producer | Naris Schnegg, Jasmin Weder |
| Stage Management | Evelyn Kalt |
| Ass. Stage Management, Backstage Management | Charlie Stark |
| Production-Management, Bühnenbild, Setbau | Daniel Burkart |
| Production-Management, Lichtdesign | Finn Börner |
| Sounddesign | Tim Ferns |
| Associate Sounddesign | William Hudson |
| Musikalische Leitung | Lorenzo Scrinzi |
| Kostümbild | Ursula Roth |
| Maskenbild | Valeria Hammerlain |
| Sales und Ticketing | Manuel Ammann |
| Marketing | Sonia Bajon |
| Social Media | Anna Masella |
| Geschäftsleitung, Marketing und Backstage | Annalena Wolfgang |
| Chorleitung | Nadine Grumbach, Daniela Hotz |
| Casting Director | Lili Gamba |
| Kindercasting | Céline Leu |
| Kidsmanagement | Salome Zibung |
| Dance Captain | Fiona Ràdl |
| Prop-Master | Alexandra De Castro |
| Front of House | Sandra Gropp |
Der Besuch der alten Dame – Das Musical
Basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Friedrich Dürrenmatt
Buch: Christian Struppeck · Liedtexte: Wolfgang Hofer · Musik: Moritz Schneider &
Michael Reed
Musical-Arrangements: Michael Reed · Orchestrierung: Michael Reed, Roy Moore & Martin
Gellner
Creative Development: Christian Struppeck
Originalproduzent Open-Air-Fassung: Heimatland Verlag und Thunerseespiele · Originalproduzent Theaterfassung: Vereinigte Bühnen Wien · Bühnenaufführungsrechte: VBW in Zusammenarbeit mit Heimatland Verlag und Thunerseespiele · Stoffrechte: Diogenes Verlag, Zürich · Sekundärverwertung der Bühnenaufführungsrechte in Deutschland: Verlag Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG
Aus Güllen
Sieben Gespräche vor dem Besuch – was denken die Menschen in Güllen, bevor alles ans Licht kommt?
Frau Zachanassian, nach vielen Jahrzehnten kehren Sie in Ihre Heimatstadt Güllen zurück. Warum ausgerechnet jetzt?
Güllen war einst mein Zuhause – ein Ort voller Erinnerungen, die mir einst teuer waren. Hier habe ich geliebt, vertraut und gehofft. Doch eben diese Erinnerungen tragen auch den bittersten Schmerz meines Lebens in sich. Man sagt, die Zeit heile Wunden. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass die Zeit die Schmerzen lediglich verfeinert – tiefer, stiller, aber nicht weniger schmerzhaft. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich nicht länger hinter der Vergangenheit verstecken kann. Man muss ihr begegnen. Und ich habe beschlossen, genau das zu tun.
Man sagt, Sie seien eine der reichsten Frauen der Welt. Welche Bedeutung hat Geld für Sie?
Geld ist ein Werkzeug – nicht mehr und nicht weniger. Es besitzt keine Moral, doch es legt die Moral anderer schonungslos offen. Wer behauptet, Geld verändere den Menschen nicht, hat noch nie erlebt, wie schnell Prinzipien ins Wanken geraten, wenn alle Wünsche plötzlich greifbar werden.
Was empfinden Sie, wenn Sie heute durch Güllen gehen?
Ich sehe vertraute Fassaden, bekannte Wege – und doch wirkt alles fremd. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst nicht mehr die bin, die ich einst war. Oder daran, dass die Menschen mich nicht mehr als die junge Frau erkennen, die ich einmal gewesen bin, sondern nur noch als das sehen, was ich heute darstelle. Reichtum verändert den Blick der anderen – und manchmal auch den eigenen.
Viele fragen sich, ob Sie aus Rache zurückgekehrt sind.
Rache … ein Wort, das mir zu schlicht erscheint für das, was mich hierhergeführt hat. Ich bin nicht gekommen, um alten Gefühlen nachzujagen. Ich bin gekommen, um einen Schlussstrich zu ziehen – würdevoll und endgültig. Ob man das Rache nennt oder Gerechtigkeit – das überlasse ich gerne dem Urteil anderer.
Glauben Sie, dass jeder Mensch käuflich ist?
Die meisten würden diese Frage empört zurückweisen. Auch ich hätte einst so geantwortet. Doch das Leben hat mich eines Besseren belehrt. Moral ist oft weniger standhaft, als man glaubt. Es geht nicht darum, ob ein Mensch käuflich ist – sondern vielmehr darum, welchen Preis er bereit ist zu akzeptieren.
Was wünschen Sie sich für Ihren Aufenthalt in Güllen?
Ich wünsche mir Aufrichtigkeit. Nicht mir gegenüber – das wäre zu einfach –, sondern sich selbst gegenüber. Denn letztlich wird jeder hier eine Entscheidung treffen müssen. Und mit dieser Entscheidung wird er leben müssen.
Zum Abschluss noch eine letzte Frage: Was möchten Sie den Besuchern mit auf den Weg geben?
Seien Sie vorsichtig mit schnellen Urteilen. Fragen Sie sich lieber, wie Sie selbst handeln würden. Moral ist ein kostbares Gut – doch ihr wahrer Wert zeigt sich erst, wenn sie ihren Preis hat.
«Gerechtigkeit kennt kein Verfallsdatum.»
Herr Ill, erzählen Sie uns etwas über sich. Wer sind Sie?
Ich bin Alfred Ill. Geboren und aufgewachsen hier in Güllen. Gemeinsam mit meiner Frau Mathilde führe ich den Kolonialwarenladen. Ich kenne fast jeden Menschen hier und würde behaupten, dass man mich ebenso kennt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir mein Leben oft anders vorgestellt. Ich habe Entscheidungen getroffen, die ich heute bereue – Entscheidungen, die mich bis heute begleiten. Manchmal frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich damals den Mut gehabt hätte, anders zu handeln.
Ihre Heimatstadt steckt seit Jahren in einer schwierigen Lage. Wie erleben Sie diese Zeit?
Es schmerzt, mitansehen zu müssen, wie immer mehr Fabriken und Geschäfte schließen und die Menschen nach und nach ihre Hoffnung verlieren. Mit jeder geschlossenen Tür wächst auch meine Angst vor der Zukunft. Unser kleiner Laden hält sich gerade noch über Wasser, aber ich frage mich jeden Tag, wie lange noch. Die Sorge, meine Familie irgendwann nicht mehr versorgen zu können, lässt mich kaum los. Früher war Güllen ein lebendiger Ort voller Zuversicht. Heute kämpfen wir alle ums Überleben. Trotzdem halte ich an der Hoffnung fest, dass unsere Stadt eines Tages wieder auf die Beine kommt.
Vor kurzem wurde bekannt, dass Claire Zachanassian nach Güllen zurückkehrt. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf – und freuen Sie sich auf das Wiedersehen?
Als ich hörte, dass Claire nach Güllen zurückkehrt, war ich erst einmal überrascht. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich gemischte Gefühle. Ich habe mich nicht sofort auf das Wiedersehen gefreut – im Gegenteil. Ich hatte Angst, ihr nach all den Jahren wieder gegenüberzustehen. Zu vieles ist damals passiert, und tief in mir trage ich bis heute ein schlechtes Gewissen. Ich wusste nicht, ob sie mir jemals verziehen hat oder was sie nach Güllen zurückführt. Doch als ich sie schließlich sah, änderte sich etwas. Plötzlich war da nicht mehr die Angst, sondern auch die Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit. Für einen kurzen Moment war ich einfach nur froh, Claire wiederzusehen.
Sie kannten Claire also sehr gut?
Ja … Wir waren uns einmal sehr nah. Das liegt allerdings lange zurück. Jeder Mensch hat Erinnerungen, über die er heute anders denkt als damals. Manche Erinnerungen verblassen mit der Zeit – andere Erinnerungen bleiben für immer.
Sie wirken nachdenklich. Beschäftigt Sie etwas?
Vielleicht ist es das Alter. Je älter man wird, desto häufiger blickt man zurück und fragt sich, ob man an manchen Weggabelungen die richtige Entscheidung getroffen hat. Es gibt Erinnerungen, die man jahrelang tief in sich trägt. Doch manchmal genügt ein einziger Gedanke, ein Brief oder eine Nachricht – und plötzlich ist alles wieder da. Dann beginnt man unweigerlich, sein Leben und die Entscheidungen der Vergangenheit zu hinterfragen. Manche Dinge lassen einen eben nie ganz los.
Wenn Sie den Menschen in Güllen einen Wunsch mit auf den Weg geben könnten – welcher wäre das?
Dass wir füreinander einstehen. Wir haben schwere Zeiten erlebt und dürfen jetzt nicht vergessen, wer wir eigentlich sind. Wohlstand ist wichtig – aber er sollte niemals wichtiger werden als die Menschlichkeit.
Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Gibt es etwas, das Sie bereuen?
Jeder Mensch trifft Entscheidungen, die er im Nachhinein vielleicht anders treffen würde. Manche Fehler kann man wiedergutmachen. Andere begleiten einen ein Leben lang. Entscheidend ist wohl, ob die Vergangenheit bereit ist, einen loszulassen.
«Die schwersten Lasten sind die, die niemand sieht.»
Frau Ill, schön, dass Sie sich Zeit für ein kurzes Gespräch nehmen. Erzählen Sie uns doch kurz etwas über sich selbst.
Gemeinsam mit meinem Mann Alfred führe ich unseren Kolonialwarenladen hier im beschaulichen Güllen. Unsere Familie lebt schon seit vielen Jahren in Güllen. Hier haben wir uns unser Zuhause aufgebaut und viele schöne Erinnerungen gesammelt. Auch wenn das Leben für meinen Mann und unsere beiden Kinder Julia und Niklas nicht immer einfach ist, haben wir dennoch immer versucht, das Beste aus allem zu machen.
Die Rückkehr der Claire Zachanassian beschäftigt ganz Güllen. Wie haben Sie von dem Besuch erfahren – und vor allem: Wie haben Sie Ihren Mann in dieser Zeit erlebt? Schließlich munkelt man ja, dass sie sich früher näher kannten.
Die Nachricht verbreitet sich in einem so kleinen Städtchen rasant. Natürlich war ich auch über die Rückkehr zuerst überrascht, schließlich hört man auch nicht täglich, dass jemand nach Jahrzehnten wieder in die Heimat zurückkehrt – und dann auch noch als Milliardärin. Mein Mann Alfred versucht, nach außen hin gelassen zu bleiben. Das war schon immer seine Art. Doch wenn man einen Menschen so lange kennt wie ich ihn, bemerkt man selbstverständlich auch die Dinge, die unausgesprochen bleiben. Dann findet die altbekannte Weisheit wieder ihren Anklang: «Manchmal sagt Schweigen mehr als tausend Worte.»
Sie haben von Ihren beiden Kindern gesprochen. Was bedeutet Familie für Sie?
Familie ist mein Herz. Sie ist der Grund, warum ich jeden Morgen aufstehe und jeden Abend Hoffnung habe. Für meine Familie würde ich alles tun – ohne zu zögern. Man kann im Leben vieles verlieren; Ansehen, Geld und Besitz. Aber wenn die Familie zerbricht, verliert man einen Teil von sich selbst. Gerade in den dunkelsten Momenten zeigt sich, wer wirklich an deiner Seite bleibt. Für meine Familie würde ich mein eigenes Leben geben – denn ohne sie wäre ich nicht die Frau, die ich bin.
Wovor haben Sie am meisten Angst?
Im Moment macht mir unsere Lebenslage am meisten Angst. Jeden Tag verlassen Menschen Güllen, weil sie hier keine Arbeit mehr finden und keine Zukunft mehr sehen. Jeder kämpft ums Überleben und bangt um seine Existenz. Es ist erschreckend zu sehen, wie Hoffnung langsam verschwindet und Verzweiflung ihren Platz einnimmt. Am meisten fürchte ich, dass wir eines Tages alles verlieren könnten – unser Zuhause, unsere Sicherheit und die Zukunft unserer Kinder. Keine Mutter sollte ihren Kindern erklären müssen, warum es plötzlich kein Morgen mehr gibt.
Zum Abschluss: Was möchten Sie den Besucherinnen und Besuchern mitgeben?
Versuchen Sie, auch hinter die Entscheidungen der Menschen zu blicken. Jeder trägt eine eigene Geschichte mit sich. Manchmal versteht man einen Menschen erst, wenn man für ein paar Momente in dessen Schuhen gegangen ist.
«Familie bedeutet zusammenzuhalten – auch wenn alles ins Wanken gerät.»
Herr Lehrer, wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Ich sehe mich als jemanden, der an Bildung, Vernunft und Menschlichkeit glaubt. Seit vielen Jahren unterrichte ich die Kinder Güllens und versuche, ihnen mitzugeben, dass Wissen nur dann etwas wert ist, wenn es mit Verantwortung einhergeht. Worte können viel bewirken – doch am Ende zählen die Taten.
Sie kennen Güllen schon Ihr ganzes Leben. Was macht diese Stadt für Sie aus?
Güllen war einmal ein Ort voller Hoffnung. Die Menschen kannten sich, halfen einander und waren stolz auf ihre Gemeinschaft. In den vergangenen Jahren hat sich vieles verändert. Die wirtschaftliche Not hat Spuren hinterlassen. Wenn Menschen jeden Tag ums Überleben kämpfen, verändern sich auch ihre Gedanken und Prioritäten.
Sie gelten als das moralische Gewissen Güllens. Empfinden Sie das selbst auch so?
Das wäre vermessen. Ich bin Lehrer, kein Heiliger. Natürlich weiß ich, was richtig und was falsch ist. Doch Wissen allein schützt niemanden vor Zweifeln. Wahre Moral zeigt sich erst dann, wenn sie geprüft wird.
Was beschäftigt Sie im Moment am meisten?
Mich beschäftigt vor allem, wie schnell sich Überzeugungen und Ideale verändern können. Menschen, die gestern noch von Anstand gesprochen haben, sprechen heute von Notwendigkeit. Das macht mir Angst. Nicht weil ich sie verurteile – sondern weil ich mich frage, ob ich selbst immer so standhaft bleiben kann, wie ich es gerne wäre.
Glauben Sie, dass jeder Mensch einen Preis hat?
Ich möchte diese Frage mit Nein beantworten. Wirklich. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann dass Menschen oft zu Dingen fähig sind, die sie sich selbst nie zugetraut hätten. Vielleicht ist die eigentliche Frage nicht, ob jemand käuflich ist – sondern wie groß die Versuchung sein muss.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft Güllens?
Ich wünsche mir, dass wir uns am Ende noch im Spiegel ansehen können. Wohlstand kann man wieder verlieren. Menschlichkeit ebenfalls. Der Unterschied ist nur: Das eine lässt sich ersetzen, das andere nicht.
«Die größten Prüfungen schreibt das Leben.»
Herr Pfarrer, erzählen Sie uns etwas über sich.
Ich bin seit vielen Jahren Pfarrer in Güllen. In einer kleinen Stadt wie dieser begleitet man die Menschen ein Leben lang – von der Taufe bis zur Beerdigung. Man erlebt ihre schönsten Momente, aber auch ihre größten Sorgen. Vielleicht kennt niemand die Hoffnungen und Ängste einer Gemeinde so gut wie ihr Pfarrer.
Was macht Güllen für Sie zu einem besonderen Ort?
Güllen ist so viel mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht. Es ist eine Gemeinschaft. Die Menschen kennen sich seit Jahrzehnten, feiern gemeinsam und tragen gemeinsam ihre Lasten. Gerade deshalb schmerzt es mich zu sehen, wie die wirtschaftliche Not immer mehr Spuren hinterlässt. Wo Hoffnung schwindet, wächst oft auch die Verzweiflung.
Welche Rolle spielt der Glaube in solchen Zeiten?
Der Glaube kann in einer solchen Situation Kraft geben und Halt. Ich hoffe, dass die Menschen das erkennen. Der Glaube nimmt uns aber keine Entscheidungen ab und erinnert uns daran, dass jede Entscheidung Konsequenzen hat. Es ist leicht, Nächstenliebe zu predigen, solange sie nichts kostet. Die wahre Prüfung beginnt erst, wenn das eigene Gewissen gefordert wird.
Sie erleben die Menschen Güllens jeden Tag. Haben sie sich verändert?
Jeder Mensch verändert sich im Laufe seines Lebens. Die Frage ist nur, wodurch. Ich sehe viele gute Menschen, die müde geworden sind. Menschen, die sich nach einer besseren Zukunft sehnen. Das ist nichts Verwerfliches. Entscheidend ist nur, welchen Weg man dorthin wählt.
Haben Sie selbst manchmal Zweifel?
Natürlich. Zweifel gehören zum Glauben dazu. Wer niemals zweifelt, stellt sich auch niemals den wirklich wichtigen Fragen. Entscheidend ist nicht, ob wir zweifeln, sondern wie wir mit diesen Zweifeln umgehen.
Was möchten Sie den Besucherinnen und Besuchern mit auf den Weg geben?
Urteilen Sie nicht vorschnell über die Menschen in Güllen. Jeder von uns glaubt, das Richtige zu tun. Doch manchmal zeigt sich erst in einer schwierigen Situation, wer wir wirklich sind. Vielleicht werden Sie sich selbst öfter die Frage stellen: «Wie hätte ich mich entschieden?»
«Menschlichkeit zeigt sich in den schwersten Stunden.»
Herr Bürgermeister, stellen Sie sich unseren Besucherinnen und Besuchern doch einmal kurz vor.
Ich bin nun seit einigen Jahren der Bürgermeister von Güllen und trage somit die Verantwortung für unser Städtchen und die Güllener. Mein Ziel war es immer, Güllen wieder zu einem Ort zu machen, auf den wir zu Recht stolz sein können. Doch in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten wird aus der Verantwortung schnell eine tägliche Herausforderung.
Wie würden Sie die aktuelle Situation in Güllen beschreiben?
Nun ja, unsere Stadt hat wahrlich schon bessere Zeiten erlebt. Viele Betriebe mussten schließen, zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren, und somit blicken auch viele Familien mit Sorge in die Zukunft. Trotzdem haben die Menschen ihren Zusammenhalt nie ganz verloren. Genau dieser Zusammenhalt gibt mir Hoffnung.
Die Rückkehr von Claire Zachanassian sorgt für große Aufmerksamkeit. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie davon erfahren haben?
Zunächst war ich überrascht – und ehrlich gesagt auch erfreut. Eine ehemalige Bürgerin, die weltweit erfolgreich geworden ist, kehrt nach Güllen zurück. Das ist etwas Besonderes. Natürlich hofft man als Bürgermeister, dass dieser Besuch unserem Städtchen auch neue Perspektiven eröffnet.
Viele setzen große Hoffnungen in diesen Besuch. Können Sie das nachvollziehen?
Absolut. Wenn eine Stadt über Jahre hinweg um das Überleben kämpft, wächst die Sehnsucht nach einem Neuanfang. Hoffnung ist etwas Wertvolles. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass sie einen nicht blind macht.
Sie tragen Verantwortung für die gesamte Stadt. Wie trifft man Entscheidungen, wenn so viele Menschen davon betroffen sind?
Das ist wahrscheinlich der schwierigste Teil meines Berufs. Man muss die Interessen vieler Menschen berücksichtigen und gleichzeitig versuchen, seinen eigenen Werten treu zu bleiben. Nicht jede Entscheidung ist eindeutig richtig oder falsch. Oft muss man zwischen mehreren schwierigen Wegen wählen.
Gibt es einen Moment, der Sie in den letzten Tagen besonders beschäftigt hat?
Mich beschäftigt vor allem, wie unterschiedlich Menschen auf dieselbe Situation reagieren. Manche sehen Chancen, andere Gefahren. Und jeder ist überzeugt, im Recht zu sein. Das zeigt, wie komplex unsere Welt sein kann.
«Verantwortung bedeutet, das Wohl aller im Blick zu behalten.»
Herr Wachtmeister, stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie?
Nun denn, ich bin bereits seit vielen Jahren der Polizist hier in Güllen. In einer kleinen Stadt wie unserer kennt man die Menschen nicht nur aus den Akten – man kennt ihre Familien, ihre Geschichten und natürlich auch ihre Sorgen. Meine Aufgabe ist es, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Das war schon immer mein Anspruch.
Wie würden Sie das Leben in Güllen beschreiben?
Früher war Güllen eine lebendige Stadt. Heute merkt man es den Menschen an, dass sie müde geworden sind. Viele kämpfen tagtäglich gegen ihre finanziellen Sorgen. Trotzdem hält die Gemeinschaft zusammen.
Wie haben Sie von der Rückkehr von Claire Zachanassian erfahren?
Das war hier natürlich das Gesprächsthema Nummer 1. Eine ehemalige Güllenerin kehrt als Milliardärin zurück – das erlebt man nun mal nicht alle Tage. Die Neugier war natürlich sehr groß.
Hat sich seit der Ankündigung etwas in Güllen verändert?
Es ist schwer zu beschreiben. Auf den ersten Blick wirkt natürlich alles wie immer. Die Menschen gehen ihrer Arbeit nach, unterhalten sich auf dem Marktplatz und grüßen einander. Doch manchmal spürt man, dass etwas in der Luft liegt. Eine gewisse Unruhe. Als würde jeder auf etwas warten.
Fällt es Ihnen leicht, immer nur nach Recht und Gesetz zu handeln, oder drücken Sie hin und wieder ein Auge zu?
Natürlich würde ich auf diese Frage gerne mit einem klaren Ja antworten. Doch seien wir mal ehrlich: Manchmal stellt einen das Leben vor Situationen, die im Gesetzbuch nicht so einfach nachzulesen sind. Dann muss man sich fragen, was richtig ist – und was man mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Sie verstehen?
Was bedeutet Gerechtigkeit für Sie?
Viele Menschen setzen Gerechtigkeit mit Strafe gleich. Für mich bedeutet sie vor allem, dass jeder Mensch fair behandelt wird. Doch was fair ist, darüber gehen die Meinungen dann oft auseinander.
Haben Sie Sorge um die Zukunft von Güllen?
Ich wünsche mir, dass unsere Stadt ihren Zusammenhalt bewahrt. Krisen können Menschen zusammenschweißen – oder auseinanderbringen. Welche Richtung wir einschlagen, das entscheidet jeder Einzelne mit seinem Handeln.
«Zwischen Recht und Gerechtigkeit liegen manchmal Welten.»
Serotonez
Einblicke hinter die Kulissen – und weitere Produktionen.
Die Frage ist nicht, was Recht ist.
Die Frage ist, was ihr dafür opfert.
— Claire Zachanassian
Gut zu wissen
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